Byron Bay (5.12. - 9.12.)

Ein neuer Staat, eine neue Zeitzone und Abschied von Paul, meinem französischen Travelmate, der schon seit Cairns dabei war.

 

Keine Stunde in Hostel und schon haben wir, dank meiner sehr gesprächigen Bunkbed-Gefährtin, ein Grüppchen kennen gelernt, mit dem es am nächsten Tag nach Nimbin gehen soll. Ausgemacht war: ich habe das Auto, wer mit will hat bitte 5 Dollar und gute Musik dabei. Das liebe ich an Australien - es ist so herrlich unkompliziert! 

Und die Plätze in meinem Auto waren heiß begehrt, denn wer auf die offizielle Tour angewiesen ist, muss dafür 55 Dollar bezahlen. So kam es, dass zwei Mädels, die leider keinen Platz mehr bekommen hatten, es darauf anlegten, dass die Jungs verschlafen (der Alkohol floss an diesem Abend in nicht allzu kleinen Mengen) und sie, wenn sie abfahrbereit zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind, die Plätze klauen können. Doch der Plan ist nicht aufgegangen...

Zu fünft - ja zu FÜNFT - sind wir dann in meinem kleinen, gelben Gefährt in das Bergdorf gefahren. Mein sonst so zuverlässiger fahrbarer Untersatz hat damit ganz schön zu kämpfen gehabt. Ich bin auch sehr froh, dass ich selbst gefahren bin. Ansonsten wäre mir bei den Straßen kotzübel geworden. 

Nimbin war dann eine ganz besondere Erfahrung. Das Hippiedorf, das berühmt für seine Cookies ist, ist auf seltsame Weise eine rechtliche Grauzone und wurde somit zum "Amsterdam von Australien". Ich Kleinstadtkind dachte ja immer, es gibt Dinge die heimlich gehandhabt werden - Nein! In Nimbin steht in einem Straßencafé auf der Angebotstafel ganz unten auch mal wortwörtlich: "Kleiner Joint".

Auf dem Heimweg ging es dann noch bei zwei Wasserfällen und einem Kleinstadtimbiss vorbei (den hatten meine Mitfahrer nötig - schlecht vorbereitet waren sie :D ). Die Kleinstadt war dabei schwieriger zu finden als die Wasserfälle, so mitten im Nirgendwo. 

Wasserfall Nr.1 (dessen Namen ich weder aussprechen, noch mir merken konnte) ist definitiv einer der schönsten, die ich im letzten halben Jahr besucht habe. Unendlich hoch und ganz fein wie ein Vorhang. Es war ein magischer Platz.

An Wasserfall Nr.2 - Minyon Falls - habe ich eher schlechte Erinnerungen. Die Autogeschichte...

Ich war zwei Monate lang extrem paranoid, was meinen Autoschlüssel betraf. Problem eins: Es gab nur einen. Problem zwei: Auto ohne Zentralverriegelung, sprich beim Aussteigen das Türschloss von innen zu machen und nur die Türe zuhauen. Meine Vorsichtsmaßnahme: ein neonorangefarbenes (Woolshed-)Schlüsselband, das zusätzlich immer in meiner Hose befestigt war. Ich weiß bis heute nicht, wie ich das geschafft habe, aber als Caro ihre Kamera holen wollte, sehe ich durch die Kofferraumscheibe ein leuchtend oranges Schlüsselband... Eine kurze Situationsbeschreibung um das Dilemma perfekt zu machen: Ich mit vier Mates, die mehr oder weniger high waren, zwei Stunden entfernt vom Hostel bzw. jeglicher Zivilisation, die größer als ein Dorf ist, Nationalpark ohne Handyempfang, eine Stunde vorm Dunkelwerden. Aber immerhin hatten wir genügend Wasser dabei... Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass ich gleich eine Scheibe meines eigenen Autos einschlagen werde und habe grob kalkuliert, welche wohl am billigsten ist. Einer der drei restlichen Touristen auf dem Parkplatz hat schließlich mein leicht verzweifeltes Gesicht gesehen und nach zwei Fragen (Ist das dein Auto? Liegt der Schlüssel etwa drin?) meine Tür aufgebrochen. Ich hatte für die nächsten Tage ein Loch in meiner Tür und bin nach wie vor überrascht, wie schnell man in ein Auto einbrechen kann. Aber immerhin sind wir wieder zurück nach Byron Bay gekommen. 

Eigentlich wollte ich in den verbleibenden Tagen meine Surf-skills ausbauen. Die Wellen waren vielversprechend und ein ganz anderes Kaliber als in Agnes Water. Doch das Wetter hat mir da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Einmal habe ich es ins Wasser geschafft, an den restlichen Tagen haben uns mehrere Gewitter vom Strand fern gehalten. Aber wir konnten uns auch so ganz gut die Zeit vertreiben. Unsere Kartenspielfähigkeiten wurden perfektioniert, es gab Volley-balltuniere, wir haben National Geographic Filme geschaut und da es das erste und einzige Hostel meiner Reise mit Backofen war, hat jeden Tag jemand anderes Cookies gebacken.