Agnes Water (24.11 - 27.11)

In Rockhampton haben wir nur eine Nacht verbracht, da die Strecke sonst etwas zu lang gewesen wäre. Länger hätte ich dort auch nicht verweilen wollen, denn dort gibt es nichts außer Rodeo zweimal pro Woche. Und nachdem ich mir das angesehen habe, muss ich sagen, das ist auch eher langweilig…

Weiter ging es nach Agnes Water. Mein eigentliches Ziel war ja das Nachbardorf Siebzehnhundertsiebzig oder auf Englisch „Town of 1770“. Den Namen fand ich so lustig, dass ich das unbedingt sehen wollte. Die Jungs haben mich jedoch überredet in Agnes Water ein Hostel zu suchen, da dort die wahrscheinlich günstigsten Surfstunden in ganz Australien angeboten werden. So ganz begeistert war ich von der Idee zu Surfen noch nicht, aber ich wollte es mal probieren. Allerdings habe ich erwartet, dass ich absolut versage und nach einer halben Stunde halb ertrinke und abbreche… Auch das Hostel habe ich erst einmal skeptisch beäugt. Erster Eindruck: hier kann man ja nicht mal die Tür abschließen und es gibt keine Aircon!

 

Aber erste Eindrücke täuschen. Cool Bananas wurde zum besten Hostel auf der ganzen Reise (auch jetzt, eine Woche später, habe ich noch nichts Besseres gefunden). Die Stimmung war gigantisch. Es war absolut familiär. Nirgendwo war es so einfach Leute kennenzulernen. Ich habe dort bestimmt nicht die Freunde für die Ewigkeit gefunden, aber es waren einfach lustige Abende zusammen. Ich habe immerhin zum ersten Mal Kings Cup gespielt und auch den ersten Goon getrunken. Goon ist Wein, der so schlecht ist, dass sogar der Hinweis „Kann Spuren von Ei, Fisch und Nüssen enthalten“ draufsteht. Allerdings der billigste Alkohol auf der großen Insel (14$ für 4l). Selbst als das WLAN für drei Tage ausfiel und ein Unwetter einsetzte, hat das die Stimmung nicht vermiest. Im Gegenteil. Der Gemeinschaftsraum wurde voller und voller und es wurde Karten gespielt, gequatscht und eine DVD eingelegt. Alles gleichzeitig und niemand hat sich gestört gefühlt. Spätestens hier habe ich dann auch gemerkt, dass ich auf meiner Reise wohl kein Italienisch lernen werde (da wird der Januar eben etwas stressiger). 

Auch beim Surfen habe ich mich dann gar nicht so untalentiert angestellt. Die erste Welle habe ich im Stehen mitgenommen. Dieses Hochgefühl hat mich dann drei Tage durchziehen lassen. Ich war am Ende ein Berg aus blauen Flecken, der von Muskelkater zusammengehalten wurde, aber ich hatte Spaß dabei. Wenn die ersten fünf Wellen über dem Kopf gebrochen sind, weil man verzweifelt versuch das Riesensurfboard hinter diese Linie zu bringen, wird man definitiv schmerzunempfindlicher und die Nase ist auf jeden Fall auch gut durchgespült. Übrigens habe ich für drei Tage (mindestens 4 Stunden surfen täglich) immer noch weniger gezahlt als für einen Tag in der Surferhochburg etwas südlicher.

Da der dritte Tag in unserem Zeitplan gar nicht eingeplant war, hieß es danach schnelle Dusche und ab ins Auto zum nächsten Ziel. Da ich als einzige fahren darf, wurde das so zu einem der anstrengendsten Tage für mich überhaupt. Letztendlich wäre ich gern länger in Agnes Water geblieben, aber die nächste Tour war schon gebucht und bezahlt. Von Wez, einer der Surflehrer der ebenfalls im Hostel wohnt, habe ich mich dann verabschiedet mit: Highfive „I’m out of here!“ „You’re leaving today???“ Umarmung „Yeah, I guess I will come back.“ „Do that! We go more surfing.” Übrigens umart man hier ziemlich oft fast fremde Menschen. :D 

Was erst noch als Spaß gemeint war, ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen und nachdem ich ein paar Tage lang tatsächlich Heimweh nach einem Hostel hatte (zum Vergleich ich hatte in fünf Monaten kein richtiges Heimweh), habe ich neu geplant und werde den Roadtrip nach der Hälfte abbrechen und zurückfahren. Ich habe zurzeit eh keine Lust mehr auf große Städte (das wird lustig im überbevölkerten Deutschland). Da bin ich lieber noch mal eine Weile in einem Dorf, das „Bleib hier!“ geschrien hat.

Für die Great Ocean Road kann ich immer noch zurück kommen. Außerdem muss ich ja eh ein zweites Mal nach Tasmanien. Schließlich steht der Overland Track ja auch noch auf meiner Bucketlist! Australien weiß ziemlich gut, wie man Leute zum Bleiben oder Zurückkommen bewegt.