ZWÖLF - Spring Break

In meiner freien Woche habe ich den Norden Australiens erkundet, bevor es dort zu heiß wird. Also ging es am Samstag mit dem Flieger Richtung Darwin und ich musste feststellen, dass es dort definitiv schon zu heiß ist. Das hatte jedoch auch einen Vorteil: viele Backpacker haben Darwin schon verlassen und somit waren die Hostels relativ leer, das heißt die Zimmer waren nur halbvoll und am Pool konnte man auch noch einen Schattenplatz finden. 

In Darwin habe ich dann am Sonntag wahrscheinlich alles gesehen, was es dort zu sehen gibt. Ich war an der Waterfront (quasi die "Skyline"), in Tunneln aus dem Zweiten Weltkrieg und in einer Krokodilfarm. Wirklich genießen konnte man bei den Temperaturen nichts, aber es war ganz interessant. Abends bin ich dann mit ein paar Mädels aus dem Hostel zu den Sunset Markets gegangen. Dort gibt es hauptsächlich Stände mit Essen aus der ganzen Welt und noch ein bisschen typischen Touri-Kram. Mit mexikanischen Burritos haben wir uns an den Strand gesetzt und einen wundervollen Sonnenuntergang angesehen, danach sind wir noch bei einer fantastischen Band (Schlagzeug und Didgeridoo) hängen geblieben. Im Vergleich zu Cairns bleibt das Partyleben in Darwin jedoch etwas auf der Strecke, denn mehr als einen Pub haben wir danach nicht mehr gefunden.

Nach einem faulen Tag am Pool wurden die Sachen wieder gepackt. Mit drei weiteren Mädels, die ich auf Facebook gefunden habe, ging es auf einen Roadtrip. 4 Tage, 4 Nationalparks und etwa 1200 km lagen vor uns.

Tag 1 - Litchfield

Erster Halt war im Litchfield Nationalpark. Neben gigantischen Termitenhügeln gibt es hier vor allem Wasserfälle. Da man bei einigen auch in Wasser springen konnte und wir noch nicht ganz an die Hitze gewöhnt waren, haben wir ganz schön die Zeit vergessen. Letztendlich mussten wir die letzen 200 km durchs "Nirgendwo" im Dunkeln fahren, was absolut nicht empfohlen wird und man ist mit dem Mietwagen nachts auch nicht versichert, da die Kängurus dann gerne mal auf die Straße hopsen. Außerdem sollte man den Satz "Noch halbvoll, wir fahren bis zur nächsten Tankstelle!" in Down Under nicht mal denken. Laut den meisten Karten und Einteilungen beginnt das Outback zwar offiziell erst südlich von Katherine, aber es hat sich schon verdammt wie Outback angefühlt. Neben fehlenden Städten, Tankstellen und Handynetz wurde auch der Radioempfang immer schlechter. Bei der ständigen Suche nach Musik oder wenigstens etwas, was nicht rauscht, sind wir schließlich auf einen Schlagersender gestoßen, auf dem 99 Luftballons von Nena lief. Deutsche Musik war wahrscheinlich das, was wir hier am wenigsten erwartet haben. 

Tag 2 - Katherine Gorge

Hier war ich endlich bei meinem Hauptgrund für die ganze Darwinreise angekommen. Katherine Gorge ist eine Art Canyon, in dessen Fluss man im Normalfall noch hätte Kanufahren dürfen. Allerdings hat die Regenzeit dieses Jahr bedeutend früher angefangen und somit sind schon die ersten Salzwasserkrokodile gesichtet worden. Also haben wir Kanu gegen die sichere Fähre eingetauscht und während wir warten mussten, sind wir den ganzen Berg hoch zum Aussichtspunkt gewandert. Es waren ja nur 38°C. Der Ausblick hat sich aber definitiv gelohnt und von oben haben wir auch tatsächlich das Krokodil gesichtet. 

Nach der absolut wundervollen, atemberaubenden Bootsfahrt haben wir dann beim Mittagessen Gesellschaft von drei Kängurus bekommen. Theoretisch waren sie zwar wild, aber sie haben sehr zutraulich gewirkt. Das Größte hat sogar so gewirkt, als ob es mir gleich mein Essen klauen will. Wahrscheinlich werden die drei öfters mal von Besuchern gefüttert.

Danach ging es zum Abkühlen in die Hot Springs von Katherine - klingt erstmal komisch, aber eigentlich war es nur ein lauwarmer Bach mit glasklarem Wasser. Perfekt zum Entspannen.

Tag 3 - Edith Falls, Kakadu I

Am Morgen sind wir einmal um die Edith Falls (ein dreietagiger Wasserfall) rundrum spaziert, also besser gesagt bis ganz hoch und auf der anderen Seite wieder zurück. Ein Glück, dass man immer mal Baden gehen konnte, denn es ging ganz schön steil bergauf.

Später ging es dann in den Kakadu Nationalpark, der laut einigen Webseiten der schönste in ganz Australien sein soll. Hier haben wir einen extremen Widerspruch erlebt: die meisten der Offroad-Straßen zu den schönsten Orten waren wegen der zeitigen Regenzeit bereits gesperrt, was uns relativ egal war, da wir eh kein Allradwagen hatten, und andererseits haben wir überall Rauchsäulen wegen Buschfeuern gesehen. Einmal hat sogar ein Baum direkt neben der Straße gebrannt. Außerdem habe ich hier fast ein Känguru überfahren. :(

Wir sind dann noch zu zwei Aussichtspunkten gewandert und ich habe den für mich zweitschönsten Ort in Australien gefunden. Ironischerweise war dort der Kameraakku leer, aber es war oben auf dem Berg, den man bei dem Selfie im Hintergrund sieht. Der Ausblick war einfach nur gigantisch - eine endlose Weite mit nichts als Wald und Klippen.

Tag 4 - Kakadu II, Mary Rivers

Nachdem wir an Tag 3 den südlichen Teil von Kakadu durchquert haben, fuhren wir auf dem Rückweg nach Darwin durch die nördliche Hälfte. Es ist der Wahnsinn, wie unterschiedlich die beiden Teile sind. Hier war schon deutlich mehr Regen gefallen und es sah alles deutlich grüner aus. Neben der Straße waren große Teile des Feuchtgebietes schon von Wasser überflutet. An zwei Stellen war sogar die Straße überflutet, das hat uns aber nicht aufgehalten.

Zuerst besichtigten wir Ubirr, einen Ort mit sehr gut erhaltener Felsmalerei und später wollten wir noch eine weitere Fahrt auf einer Fähre buchen, die uns sehr empfohlen wurde, um auch die Tierwelt von Kakadu zu erleben (hauptsächlich Vögel und Krokodile). Allerdings wurde vor uns ein Touri-Bus ausgekippt und somit war auf der Fähre kein Platz mehr frei, oder aber der Fahrer war einfach nur extrem unfreundlich und wollte uns nicht mehr mitnehmen.

Da wir nun etwa eine Stunde übrig hatten, beschlossen wir auch noch im Mary River Nationalpark anzuhalten und um den Bird Billabong, einen See, zu wandern. Es war vielleicht schon von vornherein nicht die beste Idee unter Zeitdruck und bei den Temperaturen eine 4 km Tour zu machen. Allerdings dachten wir, dass ja kein Berg auf uns wartet und das somit machbar ist. Falsch gedacht. Es war unbeschreiblich heiß! In dem Tal stand die Luft und die Sonne hat einen nahezu ohne Schatten einfach nur gebraten. Der See war übrigens auch fast komplett ausgetrocknet. Und als wir etwa dreiviertel der Strecke geschafft hatten, war der Weg dann einfach weg. Es sah aus wie eine Kreuzung und in beiden Richtungen hat der Weg nach wenigen Metern einfach aufgehört...

Wir hatten drei Möglichkeiten: die ganze Strecke zurück (das Wasser war alle und wir hatten theoretisch nur noch fünfzehn Minuten, bis wir wirklich los mussten, um pünktlich am Flughafen zu sein), quer durch den Wald in die Richtung, wo wir den Parkplatz vermuteten (allerdings sah wirklich alles gleich aus) oder quer durch den ausgetrockneten See zurück zu dem Teil des Weges, auf dem wir gekommen waren. Letztendlich haben wir uns für den See entschieden. Wir haben einfach gepokert, dass die Krokodile, vor denen mehrere Schilder gewarnt haben, sich in dem bisschen Wasser in der Mitte aufhalten. 

Zurück am Parkplatz haben wir auch keinen zweiten Weg, der dort ankommt gefunden. Das letzte Stück des "Rundganges" scheint einfach verschwunden zu sein.

 

Am Abend in Darwin hat die Mietwagenagentur mir dann noch ganz schön den Tag vermießt. Ich habe den Wagen im Zentrum abgeholt, wollte ihn aber am Flughafen abgeben. Jedoch hat kein Mitarbeiter es für nötig gehalten, mir zu sagen, dass sie gar kein Flughafenbüro besitzen. Ich habe ungefähr zehn verschiedene Flughafenarbeiter befragen müssen, wo ich denn das Auto loswerde und ich wurde immer wieder zu demselben falschen Parkplatz geschickt... Als die Zeit langsam knapp wurde bin ich sogar zum Check-In gerannt, um meine Tasche aufzugeben und hab mich danach weiter auf die Suche gemacht. Letztendlich konnte mir ein Mann den winzigen Briefkasten zeigen, in dem man den Schlüssel zurückgibt. Es gibt dort tatsächlich keinen Mitarbeiter, der sich das Auto mal anschaut. Und meine Kaution habe ich bis heute auch noch nicht zurück. Mal sehen was das noch wird...

Am Ende war ich halb verhungert und durchgeschwitzt (es waren ja schließlich wieder 38°C) 35 Minuten vor Abflug an der Sicherheitskontrolle. Gewaschen und umgezogen (immerhin war ich darauf vorbereitet :D ) habe ich dann bei Burger King so lange auf mein Essen warten müssen, dass ich den Burger einfach mit ins Flugzeug genommen habe. Aber ich habe das Gefühl, dass die Australier Innlandsflüge eh nicht so ernst nehmen. Ich habe zum Beispiel auf der ganzen Reise auch nicht einmal meinen Reisepass zeigen müssen. :D

Back in Cairns

Am Wochenende hat sich dann unser Grüppchen Internationaler Studenten fast komplett wieder in Cairns eingefunden. Beim Barbecue war von jedem zu hören, wie sehr er Cairns vermisst hat, obwohl die Reise natürlich schön war. Wir sind jetzt genau ein viertel Jahr hier und die Stadt oder vielleicht eher der Lifestyle hier hat sich eindeutig bei allen ins Herz geschlichen.